2. Superblocks starten

Superblocks reduzieren Durchzugsverkehr und schaffen Raum für Aufenthalt, Gehen, Radfahren, Begrünung und Nachbarschaft. Barcelona machte das Konzept international bekannt; Berlin entwickelte mit den Kiezblocks eine stark initiativengetragene Variante; Wien hat mit dem Supergrätzl Favoriten eine hochwertige Umsetzung und diskutiert inzwischen günstigere „Low-Traffic-Grätzl“.

Temporäre Sperre und Aufenthaltsraum im Bellermannkiezblock in Berlin-Mitte.

Bellermannkiezblock in Berlin-Mitte. Foto: BA SGA Mitte, L. Fritsche.

Was sich ändert

Ein Superblock ist keine einzelne Möblierung und kein reines Begrünungsprojekt. Der zentrale Hebel ist die Verkehrsorganisation:

  • Durchzugsverkehr wird mit Modalfiltern, Einbahnführungen, Pollern oder anderen Maßnahmen verhindert.
  • Ziel- und Lieferverkehr bleibt möglich, fährt aber langsamer und direkter kontrolliert.
  • Flächen im Inneren werden für Aufenthalt, Schulwege, Mikrofreiräume, Bäume, Sitzgelegenheiten und sichere Kreuzungen nutzbar.
FrageSuperblock-LogikEinzelmaßnahme
VerkehrDurchzugsverkehr wird im Gebiet systematisch unterbrochenEine Kreuzung, ein Gehsteig oder ein Abschnitt wird verbessert
RaumgewinnMehrere Straßen werden zusammen neu nutzbarEin konkreter Ort wird sicherer oder angenehmer
BeteiligungNachbarschaft, Schulen, Gewerbe und Bezirk brauchen ein gemeinsames ZielbildBetroffene Gruppen können gezielt eingebunden werden
Poller, Betonpflanzringe und junge Bäume im Supergrätzl Favoriten.

Supergrätzl Favoriten: Poller, Upcycling-Betonpflanzringe als Verkehrsfilter und neue Bäume. Foto: Wir machen Wien 2026.

Von Berlin lernen

Changing Cities zeigt, dass Superblock-Initiativen nicht erst perfekt geplant sein müssen. Wichtig ist, eine lokale Gruppe sichtbar zu machen und kontinuierlich handlungsfähig zu bleiben. Berliner Kiezblock-Initiativen arbeiten mit Leitfäden, Beratung, Verkehrszahlungen, Gesprächen mit Gewerbetreibenden, Faktenchecks und Aktionsideen.

Die Wiener Übersetzung lautet: nicht auf den fertigen Masterplan warten, sondern ein klares Gebiet, ein nachvollziehbares Problem und erste Bündnispartner:innen definieren.

Nicht auf den fertigen Masterplan warten: Ein klares Gebiet, ein belegbares Problem und erste Bündnispartner:innen reichen für den Start.

Start in sieben Schritten

  1. Gebiet abgrenzen: Wählt ein Grätzl, in dem Durchzugsverkehr, Schulwege, Hitze, fehlende Bäume oder unsichere Kreuzungen klar benennbar sind.
  2. Problem belegen: Dokumentiert Beobachtungen, Fotos, Konfliktpunkte und nach Möglichkeit Verkehrszahlungen.
  3. Kernteam bilden: Klärt Rollen für Recherche, Nachbarschaftskontakt, Social Media, Bezirkskontakte und Aktionen.
  4. Ziel einfach formulieren: Zum Beispiel „kein Durchzugsverkehr rund um die Schule“ oder „sichere Wege und mehr Aufenthalt im Inneren des Grätzls“.
  5. Erste Skizze erstellen: Arbeitet mit einer Grundkarte und prüft, wo Modalfilter, Einbahnen oder Aufenthaltsorte denkbar sind.
  6. Bündnisse aufbauen: Sprecht Anrainer:innen, Eltern, Schulen, lokale Vereine, Geschäfte und Bezirkspolitik an.
  7. Forderung öffentlich machen: Nutzt Aktionen, Medienarbeit, Petition, Bezirksanträge oder offene Briefe, je nachdem welches Fenster politisch offen ist.

Spielerische Interventionen

Spielerische Interventionen machen sichtbar, wie anders eine Straße genutzt werden könnte. Sie können niedrigschwellig sein: Kreide, mobile Sitzgelegenheiten, Pop-up-Spiele, temporäre Begrünung, Infostände, Straßenpicknick oder eine Visualisierung mit Bannern.

Wichtig ist, dass die Aktion nicht nur nett aussieht, sondern eine Forderung erkennbar macht: Welches Problem wird gezeigt? Welche Lösung wird vorweggenommen? Wer soll danach handeln?

Was gehört zu einem guten Start für eine Superblock-Initiative?

Materialien

Video

Die öffentliche Workshopseite verweist auf Aufzeichnungen der Reihe, aber im recherchierten Material war für diesen Workshop kein verifizierbarer YouTube-Link sichtbar. Fügt den Link hier ein, sobald die Aufnahme veröffentlicht oder intern freigegeben ist.