3. Tactical Urbanism und Street Design

Tactical Urbanism meint kostengünstige, temporäre Eingriffe im Stadtraum, mit denen Veränderungen getestet, sichtbar gemacht und politisch beschleunigt werden können. In Wien ist das relevant, weil die Stadtregierung Tactical Urbanism und „Low-Traffic-Grätzl“ als günstigere Formen der Verkehrsberuhigung in den Blick nimmt.

Bunte Straßenflächen am Lendplatz in Graz.

Lendplatz Graz als Beispiel für verkehrsberuhigte und farblich markierte Begegnungszonen. Foto: Stadt Graz, Simon Gostentschnigg.

Grundprinzipien

Tactical Urbanism funktioniert besonders gut, wenn fünf Bedingungen zusammenkommen:

  • Die Maßnahme ist lokal verankert und löst ein konkretes Problem.
  • Sie ist kurzfristig machbar und risikoarm.
  • Sie zeigt eine längerfristige Veränderung im Kleinen.
  • Sie baut Beziehungen zwischen Nachbarschaft, Initiativen, Verwaltung und Politik auf.
  • Sie erzeugt verwertbare Erfahrungen: Was funktioniert, was muss angepasst werden, wer nutzt den Raum?

Sechs Werkzeuge

Der Tactical Urbanism Guide und die Wir machen Wien-Materialien nennen sechs einfache Werkzeuggruppen:

  • Barrieren wie Poller, Betonelemente oder Pflanzringe
  • Begrünung und Pflanzelemente
  • Möblierung
  • Oberflächengestaltung mit Farbe
  • Zeichen und Beschilderung
  • Veranstaltungen

Die Qualität liegt nicht im Objekt selbst, sondern im passenden Einsatz: Eine bemalte Fläche ist nur dann gut, wenn sie Verhalten verändert, Orientierung schafft oder eine neue Nutzung plausibel macht.

Übersicht der Werkzeuggruppen des Tactical Urbanism Guide.

Werkzeuggruppen nach dem Tactical Urbanism Guide von Street Plans. Quelle: Street Plans.

Wiener Realität

Wien ist stark reguliert. Ansprüche an den öffentlichen Raum müssen geprüft und genehmigt werden, insbesondere durch die zuständigen Magistratsstellen wie die MA 46 für Verkehrsorganisation und technische Verkehrsangelegenheiten. Bottom-up-Interventionen brauchen daher entweder eine passende Genehmigung, eine Kooperation mit Bezirk/Stadt oder eine Aktionsform, die rechtlich sauber geplant ist.

Straßenbemalung und temporäre Nutzung in der Galileigasse in Wien.

TikTak Galilei in der Galileigasse, Wien. Foto: Tim Dornaus.

Street Design als Gruppenwerkzeug

Wir machen Wien nutzt Street Design Workshops, um aus Unzufriedenheit konkrete Raumbilder zu machen. Die Module lassen sich einzeln oder kombiniert einsetzen:

  • Street Design Tisch: Ein Straßenplan wird mit Papier, Schere und Stiften bearbeitet. Die Gruppe diskutiert Nutzungen, Flächenbedarf und Varianten.
  • Street Banner: Straßenbreiten werden sichtbar aufgeteilt, um zu zeigen, wie viel Raum für Gehen, Radfahren, Grün oder Aufenthalt möglich wäre.
  • Tree Love Set: Mobile Baum-Visualisierungen zeigen, wo Schatten und Begrünung gebraucht werden.
  • Leiwander Straßen Radar: Ein einfacher Erhebungsbogen macht Lebensqualität, Sicherheit und Handlungsbedarf sichtbar.
  • Street Shit Bingo: Ein Rundgang schaerft den Blick für Hindernisse, Gefahren und absurde Fehlverteilungen im Straßenraum.

Ablauf für einen lokalen Workshop

  1. Straße oder Kreuzung auswählen.
  2. Probleme sammeln: Hitze, Lärm, Gehsteigbreite, Querungen, Parkdruck, Konflikte, fehlende Sitz- oder Grünräume.
  3. Raum vermessen oder auf Plänen nachvollziehen.
  4. Varianten bauen: minimal, mutig, langfristig.
  5. Sofortmaßnahme definieren: Welche temporäre Aktion zeigt die Idee am besten?
  6. Genehmigungs- und Bündnisfrage klären.
  7. Nach der Aktion dokumentieren: Fotos, Stimmen, Nutzung, Medienresonanz, politische Reaktionen.

Video

Prostorož Ljubljana: Öffentlicher Raum ist gemeinsamer Raum. Workshopbeitrag im Rahmen der Toolbox für City Changer.

Materialien